Eintauchen in deutsche Geschichte: der Kyffhäuserweg

Gemütlich durch Mischwälder auf breiten Wegen einsam durch Thüringen schlendern - und gleich noch einige Touristen-Highlights bestaunen: der Kyffhäuserweg ist die perfekte Strecke für ein entspanntes Wochenende in der Natur, mit schönen Ausblicken und einigen kulturellen Zwischenstopps. Die Barbarossahöhle, das Mittelalter-Dorf Tilleda und natürlich das unterwegs oft zu bestaunende Barbarossa-Denkmal machen diese Tour abwechslungsreich, die Buchen-dominierten Wälder und wilden Streuobstwiesen bilden eine mannigfaltige Kulturlandschaft.

Inhaltsverzeichnis

Technische Daten

Distanz 37 km I Aufstieg 1000 m I Abstieg 1000 m  
Level: Einfach  
Beste Wanderzeit: J-F-M-A-M-J-J-A-S-ON-D  
Runde von Bad Frankenhausen um das Kyffhäuserdenkmal  
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Wie hinkommen? Mit dem Zug von Leipzig – Erfurt – Heldrungen + Bus nach Bad Frankenhausen 2 Std. 20 (4 Std. von Berlin)

Tag 1: 25km, 740m ↑ 650m ↓

Der Weg verlässt die reizvolle Kurstadt Bad Frankenhausen und steigt sanft in die Wälder auf, die das kleine Kyffhäusergebirge bedecken. Man kommt gemütlich durch den Wald voran, der Weg schlängelt sich und bietet hier und da hübsche Lücken mit freien Blicken auf die Baumkronen. Nach etwa zehn Kilometern erreicht man die berühmte Barbarossa-Höhle, die einen Halt und einen Besuch wert ist. Wenn man noch gut zehn Kilometer weiter wandert, erreicht man das majestätische Kyffhäuser-Denkmal. Von hier aus bietet sich ein atemberaubender Ausblick: im Norden die Berge des Harzes, im Süden der ausgedehnte Thüringer Wald. Der Weg führt dann etwa 4 km wieder hinunter bis zu einer kleinen Schutzhütte, wo wir die Nacht verbrachten. Für diejenigen, die lieber im Warmen schlafen möchten, gibt es in der Nähe des Denkmals eine Jugendherberge und ein Hotel.

Tag 2: 12km, 310m ↑ 380m ↓

Der Weg nimmt seinen Lauf und verlässt das kleine Dorf Tilleda, das von großzügigen Obstgärten mit vielen Kirschbäumen gesäumt ist. Sehr schnell steigt er wieder in den Wald auf, der das Massiv bedeckt. Sobald man die Anhöhe erreicht hat, bietet sich eine herrliche Aussicht: Das Denkmal erhebt sich majestätisch auf einem Gipfel direkt gegenüber. Der Weg führt eine Weile auf dem Kamm entlang und bietet schöne Ausblicke, bevor er sanft ins Tal hinabsteigt. Wenn man sich Bad Frankenhausen nähert, durchquert man erneut die Streuobstwiesen, die am Ende des Tages in warmes Licht getaucht sind. Hier endet diese Wanderung nach 37 km auf einer abwechslungsreichen Strecke.

 Was nehme ich mit?

-1 Erste-Hilfe-Kasten

-1 „Poop Kit“ (Toilettenpapier, Tücher, kleine Müllbeutel)

-1 minimalistischer Kulturbeutel (1 Zahnbürste, Zahnpasta, Bürste und kleine Seife)

-1 Stirnlampe

-1 externer Akku + Ladekabel

-1 Bauchtasche, in der ich meine Papiere und mein Mobiltelefon aufbewahre.

-Dry Bags, um alles im Rucksack zu verstauen.

-Essen für beide Tage-Rucksack 40l

-Zelt

-Matratze 3 Jahreszeiten

-Schlafsack 5° Komfort

-1 aufblasbares Kopfkissen

-1 leichtes Sitzkissen

-2 T-Shirts (davon 1 für die Nacht), 1 Hose, 1 Shorts, 2 Paar Socken, 2 Unterhosen, 1 Fleece.

-1 Daunenjacke

-1 Regenjacke und 1 Regenhose

-1 Halsband

-1 Mütze

-1 Paar Wanderschuhe

-1 Kochtopf + Kocher + Gas

-1 Gabel/Löffel, 1 Teller, 1 Tasse + 1 Tuperware

-1 Trinkflasche mit Filter + 1 Feldflasche + 1 Wassertank. Diesmal sind wir zu zweit unterwegs, sodass wir uns das Gewicht teilen können. Mein Rucksack wiegt also insgesamt etwa 10 kg, einschließlich Wasser und Essen für zwei Tage.

Tag 1 : 25km, 740m ↑ 650m ↓

Der Kyffhäuserweg ist ein Rundweg von etwa 37 km Länge mit einem kumulierten Höhenunterschied von etwa 1000 Metern. Der Kyffhäuser liegt in Thüringen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt und ist das kleinste Gebirge Mitteldeutschlands. Er ist nur 70 km² groß und sein höchster Punkt erreicht 473,6 Meter – auf diesem Gipfel steht ein großer Fernsehturm. Auf einem benachbarten Gipfel thront ein imposantes Denkmal, das Ende des 19. Jahrhunderts auf Wunsch von Kaiser Wilhelm I. zu Ehren des berühmten Kaisers des Heiligen Deutschen Reiches aus dem 12. Jahrhundert, Friedrich Barbarossa, errichtet wurde. Der Kyffhäuserweg umrundet das Denkmal, bevor er zu ihm führt, und bietet so einen umfassenden Blick auf das Bergmassiv aus allen Blickwinkeln.

Wir kamen gegen 10 Uhr morgens in der Kurstadt Bad Frankenhausen an, dem Ausgangspunkt des Wanderwegs. Nachdem wir das Auto auf dem kostenlosen Parkplatz in der Nähe des Busbahnhofs geparkt hatten, nahmen wir unsere Rucksäcke und begannen, durch die hübsche kleine Stadt zu laufen. Große bürgerliche Gebäude aus dem 19. Jahrhundert zeugen von der blühenden Vergangenheit dieses Kurortes. Wir kamen an einem alten, schiefen Kirchturm vorbei, der trotz seiner markanten Neigung beeindruckend stabil wirkt, und dann an den Thermalbädern. Ein kleiner Park führt uns schließlich bis zum Beginn des Wanderwegs.

Wir haben uns dafür entschieden, den Rundweg im Uhrzeigersinn zu gehen, aber es ist durchaus möglich, nach Osten zu starten, wenn man möchte. Schon bald befinden wir uns unter dem Blätterdach der Bäume und der Pfad beginnt langsam anzusteigen. Unsere Rucksäcke auf dem Rücken zu haben und gemeinsam zu dieser kleinen Wochenendflucht aufzubrechen, erfüllt uns mit Freude. Diese Momente zu zweit sind selten geworden, seit wir beide arbeiten – in meinem Fall auch samstags – mit oftmals versetzten Arbeitszeiten. Daher genießen wir diese Zeit ganz für uns allein, indem wir ganz füreinander da sind.

Nach etwa zwei Kilometern führt der Weg durch eine schöne Allee, die sogenannte „Kastanienallee“, die von diesen großen, majestätischen Bäumen gesäumt wird. Ein Stück weiter treffen wir auf eine Herde Schafe, die sich friedlich auf einer Wiese niedergelassen hat. Der Schäfer, der von seinem Hund begleitet wird, wacht still und aufmerksam über sie.

Wir setzen unseren Weg bis zu einem Ort fort, der „Platz der Gehenkten“ genannt wird und einen schönen freien Blick auf das Tal bietet. Eine Bank lädt dort zu einer Pause ein, perfekt, um sich hinzusetzen und die Landschaft zu bewundern. Als Historikerin muss ich daran denken, dass hier früher wahrscheinlich Gerichtsurteile stattgefunden haben. Aber heute, in dieser friedlichen und stillen Atmosphäre, gibt es außer dem Namen nichts mehr, was auf die schreckliche Vergangenheit hinweist.

Wir halten uns nicht lange auf. Der Wind weht heute stark und fegt über die offene Fläche. Wir kehren schnell auf den Pfad zurück und finden den tröstlichen Schutz der Bäume wieder.

Nach etwa 2,7 km beginnt der Weg einen Kilometer lang leicht abzufallen, bevor er noch einmal einen Kilometer lang ansteigt. Die Markierung ist einwandfrei: Man folgt mühelos den kleinen Zeichen des Kyffhäuser-Denkmals, die regelmäßig an den Baumstämmen angebracht sind. An den Kreuzungen erinnern detaillierte Schilder an die verschiedenen Wege und Entfernungen. Der Weg schlängelt sich dann weiter durch den Wald, ruhig und gleichmäßig, über mehrere Kilometer.

Nach etwa einer Stunde Wanderung weist ein Schild auf eine Umleitung hin: Der offizielle Wanderweg ist gesperrt. Wir nehmen an, dass das Schild schon vor langer Zeit aufgehängt wurde, und beschließen, den Zustand des Weges selbst zu überprüfen. Wir gehen ein Risiko ein, aber wir beschließen einfach umzukehren, sollte der Weg wirklich nicht begehbar ist. Auf dem Weg sehen wir die Spuren eines früheren, wahrscheinlich sehr heftigen Sturms, der viele Bäume entwurzelt und Erdrutsche ausgelöst hat, die sichtbare Narben in der Landschaft hinterlassen haben. Seitdem wurde der Pfad wiederhergestellt und die umgestürzten Bäume beseitigt, sodass die Wanderung wieder sicher und angenehm ist. An dieser Stelle trifft der Kyffhäuserweg auf einen Geopfad, einen markierten geologischen Pfad. Gut gestaltete Tafeln vermitteln interessante Informationen über die lokale Geologie und die reiche Biodiversität. Der lehmige Boden, der für diesen Teil des Massivs charakteristisch ist, weist an einigen Stellen seltsame, fast skulpturale Naturformationen auf.

Der Weg führt uns nach und nach zu einer schönen Passage an der Bergflanke. Die mit Gras bewachsenen Hänge sind mit Wildblumen übersät. Von hier aus haben wir einen herrlichen Blick über das ganze Tal: Weite Ebenen und bewirtschaftete Felder umgeben das kleine Massiv und bilden einen schönen Kontrast zwischen Wald und offener Landschaft.

Nach etwas mehr als 8 km und einer zweistündigen Wanderung erreichen wir die berühmte Barbarossahöhle. Der Legende nach soll Kaiser Friedrich Barbarossa, umgeben von seinem Gefolge, in dieser geheimnisvollen Höhle eingeschlafen sein. Er soll dort aufgewacht sein, entschlossen, die Einheit und Größe des Deutschen Reiches wiederherzustellen.

Von mittelalterlicher Geschichte ist hier jedoch keine Spur zu finden, dafür aber eine große Menge an Besuchern, die den Ort erkunden wollen. Der Eingang zur Höhle wurde mit einem Besucherzentrum, einem Museum, einem Restaurant und einem Imbiss ausgestattet. Es ist etwa 12:30 Uhr, als wir ankommen, und der Ort ist gut belebt.

Wir zögern, die Höhle zu besichtigen. Aber angesichts der vielen Menschen und der langen Wartezeiten (Führungen finden einmal pro Stunde statt und dauern eine Stunde) entscheiden wir uns schließlich dafür, unseren Weg fortzusetzen. Wir müssen noch weiter, um einen Schlafplatz für die Nacht zu finden, und wir können es uns nicht leisten, zu lange zu bleiben.

Trotzdem genießen wir eine wohlverdiente Pause: einen einfachen, aber guten Imbiss und ein kühles Bier in der Snackbar, bevor wir uns wieder auf den Weg machen.

Nach dieser Pause setzen wir unsere Reise fort. Kleiner nützlicher Hinweis: Hier sollte man daran denken, die Wasserflaschen aufzufüllen. Wenn man am Besucherzentrum vorbeigeht, findet man an der linken Wand des Gebäudes einen Wasserhahn. Wir kommen dann an einem großen Kinderspielplatz vorbei und der Weg mündet in eine ziemlich befahrene Straße. Leider muss man einige Meter entlang der Straße laufen. Doch schon bald zweigt der Weg nach links ab und führt wieder durch die Felder.

Ab hier entfernt sich der Weg leicht vom Bergmassiv und bietet einen sehr schönen Überblick über die bewaldeten Hügel des Kyffhäusers. Der Weg führt sanft bergauf durch Weizenfelder, die zu dieser Jahreszeit mit Mohn- und Kornblumen übersät sind – eine wahre Augenweide. Dann führt uns der Abstieg in das kleine Dorf Steinthaleben, das wir etwa bei Kilometer 11 erreichen. Am Ende des Dorfes sollte man einen Stopp am Friedhof einlegen, wo man seine Wasserflaschen auffüllen kann. Vorsichtshalber nutzten wir diese Wasserstelle, um genügend Vorräte für das Biwak mitzunehmen, da wir nicht wissen, ob wir weiter unten noch welche finden werden. Und wir haben gut daran getan: Zwischen hier und dem Kyffhäuser-Denkmal gibt es nämlich keine Möglichkeit mehr, sich mit Wasser zu versorgen.

Der Weg führt dann durch Felder und Streuobstwiesen mit Kirschbäumen. Er führt sanft bergauf durch die Hügel mit ihren Wiesen und Feldern. Überall sind die Kirschbäume unter der Last der Früchte zusammengebrochen. Ich kann nicht widerstehen: Ich strecke meine Hand über den Zaun und pflücke ein paar saftige Kirschen, die ich mit Genuss verspeise. In diesem Moment bricht das Gewitter mit voller Wucht los. Sintflutartiger Regen, begleitet von starken Windböen, prasselt auf uns nieder. Ich sehe einen Unterstand mit einem Tisch und einer Bank ein Stück weiter weg und renne dorthin. Gregor schließt sich mir schnell an, und wir suchen Schutz unter diesem Dach und ziehen unsere Regenkleidung an. Wir sind an dieses Wetter gewöhnt, nachdem wir auf unserer großen Wanderung durch Europa im letzten Jahr so viele Tage im Regen verbracht haben. Aber das macht die Sache nicht angenehmer. Nach und nach lässt der Regen nach, fällt aber weiterhin sanft. Der Wind hält an und kühlt uns ab, während der Pfad wieder in den Wald eintaucht.

Der Weg taucht dann wieder in den Wald ein und steigt über etwa 4 km sanft den Berg hinauf, wobei er einen Höhenunterschied von fast 200 Metern überwindet. Er führt durch einen wunderschönen Buchenwald. Am Boden sehe ich kleine Walderdbeeren. Ich halte an, um eine gute Handvoll zu pflücken, wasche sie gründlich mit dem Wasser aus meiner Feldflasche und genieße die süßen kleinen Früchte. Als wir wieder auf dem Weg sind, öffnet sich nach ein paar Metern eine Lücke: Der Blick offenbart die Ruinen der Rothenburg (leider privat und nicht zugänglich), und weiter hinten erstrecken sich die Berge des Harzes bis zum Brocken, dem höchsten Gipfel der Region. Hier lädt uns ein kleiner Picknickplatz mit einer geschützten Bank und einem Tisch zu einer Pause ein. Wir wärmen uns mit einem Kaffee auf, und teilen uns ein Stückchen Schokolade, eine willkommene Stärkung.

Der Weg führt etwa 5 km lang auf dem Kamm entlang und wechselt zwischen leichten Abstiegen und kleinen Anstiegen. Dann geht es wieder bergab bis zu einer breiten Landstraße, die für ihre vielen Kurven berühmt ist – eine beliebte Ausflugsstrecke der einheimischen Motorradfahrer, wie mir Gregor erzählt. Wir gehen ein paar Meter auf dieser Straße entlang, bevor wir wieder auf den Pfad zurückkehren, der wieder in den Wald führt. Hier folgen wir einem breiten Waldweg mit einem kleinen Lehrpfad, der der Natur gewidmet ist. Dort gibt es ein Holzxylophon, einen Barfußpfad und sogar eine Barbarossa-Statue, die unauffällig zwischen den Bäumen versteckt ist. Der Pfad schlängelt sich um den Berg herum, ist breit, aber nun auf beiden Seiten von steilen Abhängen gesäumt.

Unsere Gedanken beginnen sich um das Biwak für den Abend zu drehen, aber der Ort ist ungünstig: Alles ist zu steil, keine Schutzhütte in Sicht und der Wind würde ein Biwak unter den Bäumen gefährlich machen. Dann stoßen wir plötzlich auf ein wundersames Häuschen, das fast einem Märchen entsprungen ist: Versteckt in der Vegetation, am Hang hängend und mit einem moosbedeckten Dach, sieht es wie ein echtes Hexenhaus aus. Leider ist es komplett verschlossen. Dieser geheimnisvolle Unterschlupf wäre perfekt für uns gewesen.

Wir machen uns nun wieder auf den Weg zum Kyffhäuser Denkmal. Nach etwa 21 km Wanderung erreichen wir die Ansammlung an Gebäuden, die sich zu seinen Füßen befindet. Dort gibt es einen kleinen Imbiss, der aber leider geschlossen ist, als wir gegen 18 Uhr ankommen. Auch die öffentlichen Toiletten sind geschlossen, was die Sache ein wenig kompliziert macht, da das Wasser, das wir vorhin mitgenommen haben, zum Trinken und für unsere Vorräte für das Biwak nicht ausreichen wird. Ich fühle mich zu diesem Zeitpunkt sehr müde und der starke Wind bereitet mir hartnäckige Kopfschmerzen. Noch schlimmer ist, dass meine Schuhe nicht mehr wasserdicht sind und ich nasse Füße bekomme. Trotzdem reiße ich mich zusammen, denn wir müssen bis zu unserem Biwakplatz weitergehen. Wir haben auf der Karte eine kleine Schutzhütte ausgemacht, aber wir haben noch etwa eine Stunde Fußmarsch vor uns.

Wir durchqueren die Häusergruppe und beginnen den Aufstieg zum Kyffhäuser Denkmal. Wir beschließen, am nächsten Tag mit dem Auto zurückzukommen, um das Denkmal zu besichtigen, da an diesem Abend eine Musikveranstaltung stattfindet. Bevor wir wieder losfahren, frage ich die Kassiererin am Eingang, ob es möglich ist, unsere Wasserflaschen aufzufüllen.

Das Kyffhäuser Denkmal wurde zwischen 1890 und 1896 auf Befehl von Kaiser Wilhelm I. errichtet, um den legendären Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation Friedrich Barbarossa zu ehren. Dieses beeindruckende, 81 Meter hohe Monument erhebt sich 420 Meter über dem Meeresspiegel und bietet einen spektakulären Panoramablick über die gesamte Region Thüringen bis hin zum Harz im Nordwesten und den Gipfeln des Thüringer Waldes im Süden. Um dieses Panorama in vollen Zügen genießen zu können, sollte man die 247 Stufen zur Spitze des Turms hinaufsteigen. An einer Seite befindet sich die imposante Barbarossa-Statue, die bereit zum Erwachen zu sein scheint und an die Legende des in seiner Höhle schlafenden Kaisers erinnert, der kurz vor dem Erwachen steht, um das Deutsche Reich zu vereinen.

Darüber befindet sich eine Reiterstatue von Wilhelm I. Dargestellt als militärischer Eroberer und charismatischer Führer, ist diese Statue des Kaisers 11 Meter hoch und soll die Besucher beeindrucken, aber auch die Macht und Größe des 1871 geeinten Deutschlands symbolisieren. In Wirklichkeit ehrt das Denkmal eher Wilhelm I. als Barbarossa selbst. Indem er sich über den schlafenden mittelalterlichen Kaiser stellt, präsentiert sich Wilhelm I. als dessen direkter Erbe und bekräftigt damit seine Legitimität, das Deutsche Reich zu führen. Auf diese Weise wollte Wilhelm I. zum Ausdruck bringen, dass er Barbarossas alten Willen erfüllt hatte.

Der Weg führt links um den Eingang des Denkmals herum zur Unterburg, einer alten mittelalterlichen Festungsstadt, die einst von der Burg auf dem Berggipfel abhing – bereits im 10. Jahrhundert soll dort eine Festung errichtet worden sein. Heute erhebt sich das Denkmal auf den Ruinen der Burg. Wir nehmen uns etwas Zeit, um diese beeindruckenden Überreste zu erkunden, bevor wir unseren Weg fortsetzen.

Dieser führt etwa 4 km lang ziemlich steil ins Tal hinab und überwindet dabei fast 240 m Höhenunterschied. Durch den Wald hindurch ist der Weg schluchtartig, schmal und aufgrund des Regens, der den ganzen Tag über nicht aufgehört hat, schlammig. Nach einer guten Stunde Wanderung verlassen wir schließlich die Bäume und gelangen auf offene Felder, die sich zu beiden Seiten des Pfades erstrecken. Hier befindet sich die kleine Hütte, die unsere Zuflucht für die Nacht sein wird. Es ist ein einfacher Unterstand, der an der Vorderseite weit geöffnet ist, aber das reicht aus. Da das Dach nicht ganz dicht ist, beschließen wir, das Zelt direkt darunter aufzustellen.

Tag 2: 12km, 310m ↑ 380m ↓

Am nächsten Tag brechen wir gegen 10 Uhr morgens ohne Eile auf. Der Weg führt zunächst über Felder, bevor wir nach etwa 600 Metern das Dorf Tilleda erreichen. An diesem Pfingstmontag ist alles geschlossen. Normalerweise gibt es hier ein kleines Café und eine öffentliche Toilette, die bei unserem Besuch leider geschlossen waren. Denkt daran, hier deine Wasservorräte aufzufüllen, da es bis zur Rückkehr nach Bad Frankenhausen keine weiteren Versorgungsstellen geben wird. Wir vergessen leider diesen wichtigen Schritt und müssen den ganzen Vormittag mit nur 0,75l Wasser für jeden von uns laufen. Anfängerfehler… Der Weg verlässt schnell das Dorf, ohne wirklich hineinzugehen, und steigt dann sanft nach Süden in die Berge an. Dort geht es an Streuobstwiesen vorbei, in denen die Kirschbäume mit köstlichen Früchten überhäuft sind. Aber seit vorsichtig, denn der Bauer ist wahrscheinlich nicht weit weg! Wir treffen auf zwei Schäferhunde, die in einer der Streuobstwiesen im Schatten eines Baumes friedlich schliefen.

Nach ein paar hundert Metern kommen wir an eine Kreuzung an einem Bach, die in eine kleine Lichtung eingebettet ist. Dort befindet sich ein Picknicktisch mit Bank. Es ist ein friedlicher Ort, perfekt, um eine Pause zu machen und sich einen Moment zu entspannen. Der Weg führt dann wieder in den Wald und steigt etwa 4 km lang sanft an. Oben auf dem Gietenkopf angekommen, bietet sich ein herrlicher Blick auf das Kyffhäuserdenkmal. Dort laden eine Bank und ein überdachter Tisch erneut dazu ein, sich auszuruhen und das Panorama zu genießen. Einige hundert Meter weiter bietet der 453 Meter hohe Gipfel der Kautsberge einen zweiten Aussichtspunkt auf das Denkmal. Auf dem Gipfel erstreckt sich eine kleine offene Wiese, die mit Fingerhut übersät ist, der der Landschaft zarte rosafarbene Akzente verleiht.

Von hier aus führt der Weg fast nur noch bergab nach Bad Frankenhausen, auf etwa 9 km werden 316 m Höhenmeter überwunden. Nichts allzu Schwieriges, das Gefälle ist sanft und gleichmäßig. Nach 3 km erreicht man die Kreuzung von Rathsfeld. Hier trifft der Weg wieder auf einen Geopfad (geologischer Pfad), auf dem Steine auf Sockeln ausgestellt sind, die jeweils mit einer Info-Tafel versehen sind. Ein versteinerter Baumstamm ist ein geologisches Wunder, das immer wieder beeindruckend ist. Man kommt auch an einem ehemaligen Pfadfindergelände der DDR vorbei, mit einem großen, bogenförmigen Steintor mit der Aufschrift „Seid bereit“. Dann wird der Weg breiter und verlässt den Wald. Um uns herum breiten sich offene Wiesen aus, die mit Wildblumen übersät sind: Kornblumen, Mohnblumen, kleine weiße, gelbe und rosafarbene Blüten: ein leuchtendes Farbenspiel. Die Natur strahlt dank dieser vielen Farbtupfer. Ein großes Rapsfeld, in dem Bienen summen, während sie den Nektar der Blüten sammeln, erfüllt die Luft mit einem süßen und milden Duft. Am Wegesrand reihen sich Kirschbäume und andere Obstbäume aneinander und bilden weitläufige Streuobstwiesen, die immer zahlreicher werden, je näher wir Bad Frankenhausen kommen. Ein Schild erinnert daran, das Privateigentum zu respektieren und die Flächen nicht zu betreten sind, weist aber darauf hin, dass es erlaubt ist, die Früchte der am Wegesrand gepflanzten Bäume zu pflücken. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und beiße genüsslich in die so süßen Kirschen. Mein Blick fällt dann auf einen Aprikosen- und einen Birnenbaum, deren Früchte noch sehr klein sind… Ich muss mich noch ein wenig gedulden, bevor ich sie probieren kann.

Die Zahl der Wanderer nimmt zu, je näher wir der Stadt kommen. Wir passieren das über der Stadt thronende runde Panometer mit seinem Panoramagemälde und gehen dann leicht bergab in Richtung Zentrum, das wir schließlich nach insgesamt 37 km Fußmarsch erreichen. Es sind noch zwei Kilometer bis zu unserem Auto. In der Stadt halten wir vor einem recht auffälligen Holzhaus, in dem uns mittelalterlich gekleidete Menschen ein altes Verfahren zur Salzgewinnung zeigen. Dieses Salz, das durch das Erhitzen von Wasser aus einer örtlichen Quelle mittels Holzfeuer gewonnen wurde, soll einst den Reichtum der Stadt ausgemacht haben. Danach begeben wir uns zum Auto, aber bevor wir losfahren, besuchen wir noch einmal das Kyffhäuser-Denkmal. Auf dem Weg dorthin lässt sich ein Schmetterling sanft auf meiner Mütze nieder, der sie wohl für eine Blume hält. Ich staune über diesen kleinen Moment, der einfach und schön ist, ein flüchtiges Geschenk der Natur.

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