Ich bin grundsätzlich ein großer Fan von sportartenübergreifender Nutzung von Kleidung und Ausrüstung. Daher habe ich mich vor kurzem dazu entschieden, meine einwöchige Fernwanderung auf der belgischen Transardennaise mit meinen Trailrunningschuhen zu wandern. Diese Schuhe sind vorranging fürs Joggen im Gelände entwickelt und so nutze ich sie eigentlich meist zum Joggen im Wald. Aufgrund ihrer Leichtigkeit, Flexibilität und der guten Sohle bieten sie sich aber auch fürs Wandern an. Aber Fernwandern, lange Distanzen mit schwerem Rucksack? Hier möchte ich euch von meinen Erfahrungen berichten.

Was sind die Unterschiede zwischen Trailrunning-, Wander- und  Trekkingschuhen?

Ohne eine Expertin für die endlose Fülle an Schuh-Kategorien auf dem Markt zu sein, möchte ich euch einen groben Überblick über die Welt der Outdoor-Schuhe geben. Ich unterscheide Schuhe, die ich zum Wandern nutze, gern in drei Kategorien: Trailrunning-, Wander- und Trekkingschuhe.

Trailrunningschuhe sind für das Joggen im Gelände entwickelt worden. Sie sind leicht, atmungsaktiv, flexibel, je nach Modell wasserfest und verfügen über eine Sohle, die sehr guten Grip bietet. Zudem dämpfen sie den Auftritt, rollen gut ab und haben eine verstärkte Vorderpartie, die den Fuß vor Ästen oder Steinen schützt. Da ich zumeist im Wald joggen gehe, sind Trailrunningschuhe meine präferierten Laufschuhe, die ich regelmäßig nutze. Auch für leichte Tageswanderungen sind sie meine erste Wahl.

Wanderschuhe ist streng genommen der Oberbegriff für alle Schuhe, die zum Wandern gedacht sind. Sucht man online nach Produkten, so werden sowohl leichte, niedrige Wanderschuhe als auch Bergstiefel angeboten. Ich verstehe hier unter Wanderschuhen solche, die den Knöchel nicht bedecken und eher leichter konstruiert sind. Der große Unterschied zu den Trailrunningschuhen ist der, dass diese Schuhe zum Joggen eher ungeeignet sind, da sie weniger gut abrollen und federn. Dafür sind sie robuster, zum Teil mit ausgeprägter Profilsohle und nutzen sich wahrscheinlich weniger schnell ab, als ein Laufschuh.

Unter Trekkingschuhen verstehe ich die robusteren und schweren Wanderschuhe, deren Schaft bis über den Knöchel geht und die weniger Flexibilität, dafür sehr viel Halt aufweisen und sich daher besonders für (lange) Touren im schwierigerem, alpinen Gelände eignen.

Generell ist das wohl wichtigste Kriterium für die Auswahl der Schuhe: was will ich eigentlich damit machen und worauf lege ich hierbei meine Prioritäten?

Welche Ansprüche an die Schuhe bestehen auf einer Fernwanderung?

Anders als bei einer Tagestour verbringe ich mit Schuhen auf einer Fernwanderung sehr viel mehr Zeit. Ich lege lange Distanzen in unterschiedlichem Gelände zurück und da ich Gewicht sparen möchte, trage ich lediglich ein zweites Paar sehr leichte Schuhe, meist Wandersandalen, mit mir herum. Die „Hauptschuhe“ müssen daher allen Geländeformen der Tour gerecht werden können, sowohl in Punkto Begehbarkeit als auch Robustheit. Zudem müssen sie über die Dauer der Tour aushalten können und sollten besser nicht zwischendrin kaputt gehen.

Auf Fernwanderungen habe ich meist begrenzten Zugang zu Apotheken, um geschundene Füße zu pflegen, und noch seltener auf Sportgeschäfte, in denen ich im Zweifel ein anderes Paar Schuhe kaufen könnte. Daher müssen die „Hauptschuhe“ einen sehr hohen Komfort aufweisen.

Zudem habe ich beim Fernwandern einen 10-15 Kg schweren Rucksack auf meinem Rücken. Die Schuhe müssen daher nicht nur mein Gewicht, sondern auch das Gewicht meines Rucksacks aushalten und uns beiden genügend Stabilität geben können.

In folgender Tabelle fasse ich kurz zusammen, was eine Fernwanderung von einer Tagestour unterscheidet und was man daher bei der Schuhauswahl berücksichtigen sollte:

Besonderheit der Fernwanderung Anspruch an die Schuhe
Lange Distanzen Robustheit: Schuh muss robust genug zum Durchhalten der Strecke sein und sich nicht zu stark abnutzen
verschiedene Geländearten auf der Langstrecke Vielseitigkeit & Sicherheit: Schuh muss ggf. sehr unterschiedlichen Geländeansprüchen Genüge tun: einfache Waldwege ebenso wie felsigeres Terrain, im Flachen ebenso wie bei An- und Abstiegen
verschiedene Wetterbedingungen über den längeren Zeitraum Wettertauglichkeit: Schuh muss bei Hitze ebenso angenehm zu tragen sein, wie bei Kälte und auch bei Nässe Schutz bieten, schnell trocknen und genug Grip geben
Zusätzliches Gewicht durch schwereren Rucksack Stabilität: Schuh muss robust und stabil genug sein, das zusätzliche Gewicht zu ertragen und auch mit mehr Gewicht den Füßen Halt und Stabilität geben
Pausentag und Abendstunden Freizeitnutzen: Schuh sollte ggf. auch den Situationen außerhalb der eigentlichen Wanderung gerecht werden, da kein zweites Paar Schuhe mitgetragen wird
Erhöhte Ansprüche an Fußpflege Komfort: gute Feuchtigkeitsregulierung und keine Blasenbildung
Erhöhter Kraftbedarf aufgrund der längeren Belastung Gewicht: Schuh sollte nicht schwerer als nötig sein, da das Gewicht die Fitness gerade auch über die längere Strecke beeinträchtigt

Fernwanderung ist natürlich nicht gleich Fernwanderung. Es macht einen großen Unterschied, ob ich auf dem Jakobsweg wandere oder die Alpen überquere. Je nach Wanderung überwiegt daher vielleicht der Faktor Sicherheit alle anderen Faktoren.

Für mich ergeben sich bei der Schuhauswahl fürs Fernwandern zwei große Konflikte, die ich versuche so gut es geht auszubalancieren: ich möchte so wenig Gewicht wie möglich mit mir herum tragen, benötige aber einen robusten Schuh, der die Langstrecke aushält. Und ich möchte für so viele Eventualitäten (Gelände, Wetter, Situationen) wie möglich ausgerüstet sein, gleichzeitig aber den bequemsten, atmungsaktivsten Schuh nutzen.

Was sind die Vor- und Nachteile von Trailrunningschuhen auf einer Fernwanderung?

Im Vergleich zu Trekking- und Wanderschuhen sind Trailrunningschuhe eher fürs Joggen als fürs Wandern konzipiert – was absolut nicht bedeutet, dass sie nicht als valide Alternative in Betracht gezogen werden sollten. Aber wie immer kommt es natürlich auf die genauen Umstände der Wanderung an:

Ich habe die Schuhe auf der Transardennaise, einer 7-tägigen Fernwanderung in den belgischen Ardennen, genutzt. Die Ardennen sind ein Mittelgebirge. Die Wege dieser Tour waren zumeist Forst- und Ackerwege sowie Waldpfade in flacherem Gelände, An- und Abstiege zogen sich meist über eine längere Strecke, jedoch gab es einige steilere Passagen auf wurzligem Untergrund. Da die Ardennen sehr viele Niederschläge verzeichnen, waren einige Abschnitte schlammig.

Damit ihr meine Erfahrungen und Einschätzung besser nachvollziehen könnt, möchte ich obige Kriterien als Orientierung für eine Bewertung nutzen.

Vorteile der Trailrunningschuhe

  • Großes Plus: Komfort! Die Schuhe sind leicht, flexibel rollen gut ab, dämpfen den Auftritt und meine sind durch einen Netzeinsatz vorn sehr luftig und regulieren damit auch die Feuchtigkeit sehr gut. Zwischendurch habe ich mich trotz schwerem Rucksack fast dazu motiviert gefühlt, ein Stück der Strecke zu joggen und das muss was heißen! Blasentechnisch hatte ich fast keine Probleme (nur eine kleine zwischen den Zehen), meine Schuhe sind aber sehr gut eingelaufen.
  • Niedriges Gewicht: Die Schuhe wiegen vergleichsweise wenig und hängen einem damit nicht wie ein Klotz am Bein, eigentlich spürt man sie beim Laufen kaum. Ohne den genauen Effekt beziffern zu können, spart man so sicherlich Kraft ein und es fällt ein wenig leichter, die Distanzen zu bewältigen.
  • Auch in puncto Freizeitnutzen super! Die Schuhe nach einem langen Wandertag noch mal zu schnüren, um zum Supermarkt zu gehen, fühlte sich gut an und auch optisch geht man ein bisschen mehr in der Masse der Städter und Touristen unter, wenn man leichte Schuhe trägt
  • Wettertauglichkeit das ganze Jahr über. Zum Joggen ziehe ich die Schuhe ganzjährig an und denke, dass sie auch zum Wandern in jedem Wetter taugen – wenn man ein paar Dinge beachtet bzw. sich entsprechend anpasst. Meine Schuhe sind mit einer GoreTex Membran ausgestattet, was sie auch bei feuchtem Wetter zu einem guten Begleiter macht. Schüttet es aus Kannen, sind die Schuhe natürlich irgendwann durch – trocknen aber auch vergleichsweise schnell. Aufgrund der gröberen Sohle bieten sie auch bei Nässe guten Halt. Für warmes Wetter sind sie aufgrund des Materials besser geeignet als schwere Stiefel, der Fuß heizt weniger auf. Auch wenn es kalt wird, ist es auszuhalten, dann ziehe ich dickere Socken an. Ich habe die Schuhe auch schon bei Schnee zum Joggen getragen, aber dann ist der Halt natürlich nicht mehr perfekt und vorsichtiges Laufen ist angesagt.
  • Vielseitigkeit – aber mit Einschränkungen. Trailrunningschuhe sind definitiv für Wanderungen im einfachen bis mittelschweren Terrain geeignet, aber mit dem Rucksack auf dem Rücken hatte ich bei Abstiegen auf wurzeligen Waldpfaden nicht das Gefühl, dass sie die nötige Stabilität geben. Ich würde sagen, dass gerade beim Fernwandern mit schwererem Rucksack die Schuhe in diesem Bereich an ihre Grenzen kommen. Auch auf grobem Kies, wie er oft auf Forststraßen verwendet wird, hatte ich das Gefühl die Steine bohren sich in meine Füße (ohne das dem wirklich so war). Für alle anderen Untergründe, im Flachen und bei Anstiegen ebenso wie in der Stadt fand ich sie super.

Nachteile der Trailrunningschuhe

  • Bedenken zur Robustheit: Da der Schuh leichter konzipiert ist, nutzt er sich bei starker Belastung natürlich auch schneller ab – so zumindest mein Eindruck mit meinen Schuhen. Ich hatte diese schon vorher eine Weile im Einsatz, daher ist es schwer zu bestimmen, ob die kleinen Schäden wie ein abgewetzter Hacken oder eine leicht gelöste Sohle einfach ein Zeichen der Zeit oder durch die Wanderung mit Rucksack verursacht sind. Insgesamt habe ich mich aber zwischendurch ab und an gesorgt, ob die Schuhe durchhalten (haben sie) und fand den Gedanken recht unangenehm. Gerade der grobe Kies der Forststraßen hat mich besorgt, weshalb ich diesen Untergrund wenn es möglich ist meiden würde.
  • Stabilität in manchen Situationen nicht ideal: Wie zum Thema Vielseitigkeit angeteasert habe ich mich bei steileren Abstiegen mit den Schuhen nicht gut gestützt gefühlt und bin daher nur in großen Serpentinen und sehr langsam auf diesen Passagen gelaufen. Auch auf sehr unebenem Gelände sind die Schuhe in Kombination mit dem Gewicht auf dem Rücken weniger stabilisierend als ein knöchelhoher Schuh. Wer so wie ich keine Probleme mit Umknicken hat, wird sich aber daran wahrscheinlich nicht stören.

Weitere Gedanken zur Schuhwahl auf Fernwanderungen

Die Schuhauswahl ist, wie alles andere auch, eine sehr individuelle Entscheidung. Sie hängt nicht nur von der Länge und Art der Wanderung ab, sondern auch sehr vom

  • persönlichen Erfahrungslevel,
  • dem eigenen Körper und auch
  • den eigenen Präferenzen ab.

Als ich anfing mit Wandern war ich fest überzeugt, jede Wanderung mit meinen knöchelhohen Meindl-Bergschuhen machen zu müssen, um für jedes Terrain und jede Eventualität gewappnet zu sein. Selbst den Jakobsweg bin ich mit diesen Schuhen gelaufen. Erst später traute ich mich an leichteres Schuhwerk heran. Eine Bekannte hingegen geht seit der Kindheit mit Trailrunningschuhen auf felsige Berggipfel in den Alpen und kennt es quasi nicht anders. Einige Menschen neigen zum Umknicken und sollten daher unbedingt höhere Schuhe tragen. Andererseits kann sich der Körper auch ans Gehen ohne Stütze gewöhnen und entsprechende Muskeln aufbauen. Der eine legt großen Wert auf Sicherheit, die andere möchte möglichst frei und flexibel an den Füßen sein. Daher fürchte ich, es gibt keine universellen Vorgaben, wann welcher Schuh perfekt ist – dies ist etwas, das jeder für sich selbst herausfinden muss.

Fazit

Ich habe auf meiner Wanderung im Mittelgebirge insgesamt sehr gute Erfahrungen mit Trailrunnningschuhen auch auf längeren Strecken und mit schwererem Rucksack gemacht. Meine Füße haben sich sehr wohl gefühlt und bis auf wenige Situationen, in denen ich mich ein wenig anpassen musste, haben mir die Schuhe ausreichend Halt gegeben. Der Faktor Komfort und Leichtigkeit sowie die Vielseitigkeit und das Wohlfühlen auch abends nach der Wanderung sind für mich ein großes Plus und wiegen insgesamt auch die Bedenken zur Robustheit der Schuhe auf. Zudem finde ich es super, mit einem Paar Schuhe mehrere Sportarten abdecken zu können – falls man mal unterwegs Lust bekommt, joggen zu gehen 😉 Das heißt jedoch nicht, dass ich für zukünftige Touren nur noch Trailrunningschuhe anziehen werde – da ich oft in den Alpen wandere, sind meine Trekkingschuhe dort weiterhin meine erste Wahl. Auch bei meiner Wanderung im Januar auf dem brandenburgischen Jakobsweg habe ich mich für die Trekkingschuhe entschieden, um bei Temperaturen nahe Null wärmere Füße zu haben. Um dem Faktor Abnutzung der Trailrunnningschuhe entgegen zu wirken, werde ich beim nächsten Mal versuchen noch leichter zu packen – darüber freut sich dann auch mein Rücken 🙂