Von Leipzig über Paris nach Marseille - Städte- und Wandertrip in einem
Die gesamte Reise erstreckt sich dank Anreise mit öffentlichem Verkehr über den Besuch der zwei größten französischen Städte Paris und Marseille sowie eine 5-tägige Wanderung entlang einer der schönsten Küstenabschnitte Frankreichs, vorbei an den höchsten Klippen des Landes und durch den Nationalpark der Calanques. Unterwegs lohnt sich ein Tagesaufenthalt in Cassis, einem idyllischen, wenn auch touristischen Städtchen, von dessen Hafen aus Bootsrundfahrten entlang der umliegenden Steilklippen unternommen werden können. Damit verbindet die Reise urbane Entdeckungen und Schlemmereien mit Naturerlebnissen immer ganz nah am Mittelmeer.
Während in den Städten die Kultur im Mittelpunkt steht und der Trubel nie nachlässt, können auf den Wanderungen entlang der Küste einsame und sportliche Stunden verbracht werden. Die steinige, karge Landschaft ist atemberaubend schön und beim Blick aufs Meer verschmelzen Himmel und Wasser regelmäßig zu einem großen blauen flimmernden Tuch. Unterwegs sieht man häufig die Küstenlinie und kann die Änderung der Farbe des Felsgesteins beobachten. Da man mal oben auf den Klippen, mal entlang kleiner Buchten wandert, sind viele Höhenmeter zu bewältigen, was die Wanderung zu einer sportlichen Tour macht, die eine gewisse Fitness voraussetzt.
- Inhalt
Einführung – Reiseüberblick
Leipzig – Paris – Marseille – Paris – Leipzig
Wandern von Bandol nach Marseille
- Reisedauer: 11 Tage – davon 5 Tage Wanderung
- Länge der Wanderung: 89 km I Aufstieg: 250 m I Abstieg: 2780 m
- Level der Wanderung: Mittelschwer. Felsig, zum Teil steil, eine Kletterstelle, ausgesetzt, bei Nässe nicht zu empfehlen. Viele Wege allerdings auch breit und gut begehbar
- Beste Reisezeit für die Wanderung: Jan-Feb-Mär-Apr-Mai-Jun-Jul-Aug-Sep-Okt-Nov-Dez.
Im Hochsommer wird es sehr heiß und trocken, Schatten ist beim Wandern oft nicht vorhanden. Zudem sind die Preise in der Hauptsaison höher, es ist voller und weniger Unterkünfte sind verfügbar. Im Winter kann es rau und stürmisch werden und die meisten Niederschläge fallen dann. Je nach persönlichen Vorlieben, Budget und Wettertoleranz spricht jedoch nichts dagegen auch diese Monate für eine Wanderung zu nutzen.
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Eigene Reise: Oktober 2022
Artikel & Recherchestand: April 2025
Karte
Highlights
- Der Blick von den Klippen in die Weite, aufs Meer und auf die Küstenlinie ist atemberaubend schön – Zeit lassen und die Ausblicke bestaunen
- Kleine Buchten laden zum Baden im türkisblauen, glasklaren Mittelmeer ein
- Die Kalkfelsen sind nicht nur wunderschön sondern auch eine sportliche Herausforderung – da kommen alpine Gefühle auf
- Eine Bootsfahrt in Cassis, um die Landschaft aus einer anderen Perspektive zu erleben
- Der in der Wanderung integrierte Ausflug ins Hinterland gibt einem das Gefühl, wirklich ein Verständnis für die Gegend zu erlangen
- Marseille hat einen ganz besonderen Vibe, vor allem das Nachtleben versetzt einen in Studententage zurück
- Paris ist immer eine Reise wert – sich bei einem Kurzausflug einfach treiben lassen ohne touristische Checkliste eröffnet neue Einblicke





Allgemeine & nützliche Infos
- Literatur & Karten: Als digitale Karte haben wir Outdoor Active genutzt und uns mittels der GPX-Daten von https://www.kuestenwanderweg-marseille.de/ orientiert.
- Markierungen, Orientierung, Sicherheit: Die Wegmarkierung ist nicht durchgängig, da auch nicht durchgängig einem Wanderweg gefolgt wird:
- Etappe 1 folgt dem Sentier Litoral, markiert mit einer gelben Linie, und biegt dann unmarkiert ins Hinterland ab
- Ab Etappe 2 folgt man dem GR 51, markiert durch weiß rote Linien
- Ggf. trifft man auf gesperrte Wege („privée“), diese nicht benutzen – besser gute (Offline!)-Karten für Alternativen dabei haben
- Kosten & Geld: Frankreichs Süden und besonders die Gegend um Cassis ist sehr touristisch und damit nicht unbedingt günstig. Trotzdem ist es möglich, bezahlbare Unterkünfte zu finden. Essenspreise sind ähnlich wie im Rest von Frankreich, etwas höher als in Deutschland. Paris und Marseille bieten eine Vielzahl von Essens- und Übernachtungsoptionen aller Preisklassen. Mit Karte bezahlen ist fast überall möglich.
- Wetter: Während die Sommer in Südfrankreich trocken und heiß sind, fallen den Rest des Jahres durchaus auch Niederschläge. Die Temperaturen sind ganzjährig mild, jedoch kann es durch den Wind Mistral ungemütlich sein. Immer an Sonnenschutz denken.
- Menschen & Sprache:
- Auf der Wanderung wird man garantiert andere Wanderer sowie Tagestouristen treffen. Da die Wanderung durch teils stark besuchte Ecken führt, ist es empfehlenswert gerade bei diesen Abschnitten zeitig zu starten.
- Alleine Reisen ist unproblematisch.
- In den Großstädten sollte man wie immer vorsichtig sein.
- Die Menschen sprechen meist auch Englisch, aber wie überall in Frankreich ist es gut, ein wenig Französisch zu kennen.
- Schwierigkeit & Sicherheit:
- Die Wanderung erfordert eine gewisse Fitness, da es einige Höhenmeter zu überwinden gilt, und, aufgrund des felsigen Untergrunds, auch gutes Schuhwerk. Bei Regen werden die Felsen vermutlich sehr glatt.
- Genug Wasser muss mitgenommen werden, da unterwegs keine Wasserquellen zur Verfügung stehen (wobei natürlich immer bei Anliegern gefragt werden kann).
- Immer die Waldbrandstufe beachten! Online sind die aktuellen Warnmeldungen zu finden: http://bpatp.paca-ate.fr/ Bitte seid zu jeder Zeit vorsichtig, macht kein Feuer, schmeißt keine Zigaretten in die Landschaft, da die Gegend sehr trocken ist.
- Natur & Schutz:
- Eigentlich selbstverständlich, aber ich sage es lieber zu oft: Bitte nehmt euren Müll wieder mit, macht keinen Lärm, seid super vorsichtig wenn es um Feuer geht und verlasst die Wege nicht.
- Bitte achtet bei der Wahl der Sonnencreme darauf, dass sie dem Meer nicht schadet, wenn ihr plant baden zu gehen.
- Entnehmt keine Pflanzen und beschädigt die dort stehenden Pflanzen auch nicht. Da es sich um teils sehr extreme Standorte handelt, wachsen die Pflanzen nicht innerhalb kurzer Zeit wieder nach.
Tipps für 1 Tag in Paris:
- Erstmal: nicht zu viel wollen, Paris ist riesig – am besten keine To-Do Liste aufstellen und einfach nur treiben lassen. Lieber noch mal wiederkommen. Wir haben uns dazu entschieden einfach durch die Stadt zu laufen und Viertel zu erkunden, die nicht unbedingt die ersten Plätze im Reiseführer belegen:
- Ein Spaziergang am Canal Saint-Martin entlang bis hinunter zur Bastille und zur Seine, dabei einmal am Place des Vosges halt machen und Menschen beobachten und am Yachthafen Schiffe schauen (auf dem Hinweg als Einstimmung aufs Mittelmeer)
- Spaziergang rund um den Jardin du Luxembourg und Abstecher ins Panthéon
- Spaziergang vom Centre Pompidou Richtung Place de la Republique und Essen gehen in einem der vielen internationalen Restaurants
Tipps für 1,5 Tage in Marseille:
- Einmal durch die Altstadt um die Vieille Charité, die Cathédral La Major und den Vieux Port schlendern und die kleinen Gassen, den Hafen und die schicken Gebäude bestaunen
- Zur Basilique de Notre Dame aufsteigen und die wunderschöne Architektur sowie den Ausblick genießen
- Am Plage de Catalan noch mal ins Meer hüpfen und dann in einem Café / Bar einen Pastis trinken wie ein richtiger Tourist
- Rund um den Cours Julien die kleinen alternativen Läden und die Graffiti-Kunst überall genießen und Abends auf einen Drink auf den Platz setzen und die jungen Marseiller beobachten – Achtung: wirklich super voll abends!
- Ein Besuch im Café „Cup of tea“ – super cute und lecker Kuchen
- Durch die Gegend schlendern und Seifen für die Familie zu Hause kaufen
Tipps fürs Packen für die Stadt-Wandern-Kombi
Die Besonderheit dieser Reise liegt darin, dass sie eine Etappenwanderung mit einem Städtetrip verbindet. Für beide Reiseteile sind die Anforderungen ans Gepäck sehr verschieden. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, damit umzugehen: 1) sich ein Schließfach an einem strategisch günstigen Ort suchen (z.B. ein Bahnhof oder auch in eurem Hotel nachfragen) und dort die Dinge zwischenlagern, die für die Wanderung nicht benötigt werden oder 2) sich beim Packen an diesen Umstand anpassen. Wir haben uns für letzteres entschieden, da wir einen Pausentag in Cassis eingelegt haben und dabei die „Stadtgarderobe“ auffahren wollten. Außerdem sind Schließfächer auch nicht unbedingt günstig und es ist manchmal sehr stressig, die Unterbringung der Gegenstände zu organisieren.
Für uns haben folgende Tipps zum Packen mit diesen Rahmenbedingungen sehr gut funktioniert:
- Viel Kosmetik und Ausgehgarderobe sind nicht drin, also am besten gleich eine „was solls“ Mentalität für diesen Urlaub zulegen – niemand kennt euch und gerade in den Städten ist man sowieso eine von vielen
- Für die Stadt haben wir feminine Kleidung und ein bisschen Schmuck eingepackt: ein Rock/ Kleid wiegt nicht viel aber wirkt um Welten eleganter als die Wanderklamotten. Und es ist auch schön, abends mal etwas anderes anzuziehen als Sportsachen. Als Oberteil habe ich mein graues Merinoshirt von Decathlon getragen, das wirklich neutral und nicht wie ein Sportshirt wirkt
- Mittlerweile nehme ich als Ersatzschuhe immer ein Paar Wandersandalen mit – die schickeren Modelle unterscheiden sich nicht groß von Stadtschuhen und zum Duschen kann man sie auch noch tragen
- Die meisten Hotels und Airbnbs bieten Seife, Shampoo und Handtücher, weshalb wir das von der Packliste gestrichen haben. Außerdem teilen wir Essentielles wie die Haarbürste oder Zahnpasta, sodass wir das Gewicht nur einmal tragen müssen.
- Hotels und Unterkünfte sind super um Kleidung zu waschen, da benötigt man auch keine großartige Wechselgarderobe sondern wäscht dort einfach jeden zweiten Abend – Pro Tipp zum Trocknen: Kleidung ins Handtuch einrollen und ausdrücken
- Da ich unterwegs gern lese und vor allem auf so langen Bahnfahrten, habe ich die „Bücher“ App auf dem iPhone für mich entdeckt. Kindle funktioniert ebenfalls als App auf dem Smartphone. Wirkt vielleicht erst mal unbequem aber ich kann sehr gut auf meinem Handy Bücher lesen.
Hier findet ihr eine Packliste für diese Art von Urlaub: Packliste Stadt-Wandern kombiniert
Hin- und zurück: An- und Abreise mit ÖPNV
Anreise
- Mit dem ICE von Leipzig nach Frankfurt und dann mit fast 300 km/h ab der deutsch-französischen Grenze in Null Komma Nichts nach Paris. (70€, 7,5 Stunden) – Buchung über die Deutsche Bahn
- Von Paris mit dem TGV nach Marseille. (25€, 3,5 Stunden)
In Frankreich bzw. im TGV ist eine Platzreservierung immer im Ticket mit enthalten, man muss sich also keine Sorgen machen, im Zug zu stehen. Dafür muss man eine gewisse Zeit vor Abfahrt am Bahnhof sein, da es an größeren Bahnhöfen für TGV-Fahrten einen „Check-In“ direkt vor dem Gleis gibt, einen Sprint zum abfahrenden Zug kann man daher vergessen. – Buchung über SNCF - Von Marseille mit dem Regionalzug nach Bandol. (10€, 40Min) – Buchung über SNCF
- Hinweis: die hier aufgeführten Reisezeiten und Preise entsprechen dem, was wir auf unserer Reise im Oktober 2022 und im Besitz einer Bahncard 25 erlebt haben. Zwischenzeitlich können sich natürlich Fahrpläne und Preise verändert haben. Ich empfehle euch frühzeitig die Verbindungen zu checken und zu buchen, damit ihr die besten (Spar-)Preise der DB bekommt. Wir haben dies ca. 1,5 Monate im Voraus getan, das sollte für normale Tage reichen. Falls sich ein Feiertag oder die Ferienzeit einschleichen, bucht lieber so früh es geht. Wenn man bereit ist, an den Tagesrändern zu reisen (sehr früh, sehr spät), kann man meistens Geld sparen.
Rückreise
- Mit dem TGV von Marseille nach Paris. (35€, 3,5 Stunden) – Buchung über SNCF
- Mit dem ICE von Paris nach Leipzig. (74€, 7,5 Stunden) – Buchung über Deutsche Bahn
Reiseverlauf – Alles was du wissen musst
| Verlauf | Unsere Übernachtung | Essen |
| Tag 1: Anreise Leipzig-Paris | Hotel Little Regina Paris https://www.booking.com/hotel/fr/little-regina.de.html | Unzählige Möglichkeiten in Paris |
| Tag 2: Anreise Paris-Marseille-Bandol | Airbnb Darell https://www.airbnb.de/rooms/51407311?c=.pi80.pkYm9va2luZy92MV9taWdyYXRpb24vcmVzZXJ2YXRpb25fcGVuZGluZ192Mw%3D%3D&euid=892bac6f-dfc7-f8d0-67d2-ef5cd0f70877&source_impression_id=p3_1744884459_P37GZfZGXR3dtgTe | Bandol: Carrefour Supermarkt und einige Restaurants an der Hafenfront |
| Tag 3: Wanderung Bandol – Cadière d´Azur | Les Oliviers La Cadière – scheint es nicht mehr zu geben. Alternative: https://www.booking.com/hotel/fr/la-balinaise-la-cadiere-d-azur.de.html | Unterwegs : Saint-cyr-sur-mer La Madrague : U UTILE Supermarkt und einige Restaurants an der Hafenfront La Cadière d´Azur : wenige Restaurants, kein Supermarkt |
| Tag 4: Wanderung Cadière d´Azur – La Ciotat | Les Lavandes https://www.booking.com/hotel/fr/hotel-les-lavandes.de.html | La Ciotat : Carrefour Supermarkt und einige Restaurants mit verschiedener Küche zur Auswahl |
| Tag 5: Wanderung La Ciotat – Cassis | Best Western Hotel & Spa Coeur de Cassis https://www.booking.com/hotel/fr/du-grand-jardin.de.html | Cassis: Spar Supermarkt und einige Restaurants mit verschiedener Küche zur Auswahl |
| Tag 6: Ausflug in Cassis | Best Western Hotel & Spa Coeur de Cassis https://www.booking.com/hotel/fr/du-grand-jardin.de.html | Cassis: Spar Supermarkt und einige Restaurants mit verschiedener Küche zur Auswahl |
| Tag 7: Wanderung Cassis – Marseille Stadtrand Les Baumettes | Airbnb Pacou https://www.airbnb.de/rooms/49671655?c=.pi80.pkaG9tZXNfbWVzc2FnaW5nL25ld19tZXNzYWdl&euid=b588989b-dc35-0b43-2967-bd720a976898&source_impression_id=p3_1744884485_P3kim2BQe0CsISe6 | Les Baumettes : kein Supermarkt in Laufnähe, aber Busanbindung vorhanden, nur ein Restaurant in Laufnähe „Chez Zé“ |
| Tag 8: Marseille Stadtrand – Marseille Calanques – Marseille centre | Airbnb Fabrice https://www.airbnb.de/rooms/624625600546678526?c=.pi80.pkYm9va2luZy92MV9taWdyYXRpb24vcmVzZXJ2YXRpb25fYWNjZXB0YW5jZV9jb25maXJtYXRpb25fZ3Vlc3Q%3D&euid=b5ac9466-7f2c-44c8-5873-5283fb64469a&source_impression_id=p3_1744884419_P3VMUTgqLsmGJe6c | Unterwegs: Café/ Restaurant am Meer: Chez le Belge Unzählige Möglichkeiten in Marseille |
| Tag 9: Marseille Stadt | Airbnb Fabrice https://www.airbnb.de/rooms/624625600546678526?c=.pi80.pkYm9va2luZy92MV9taWdyYXRpb24vcmVzZXJ2YXRpb25fYWNjZXB0YW5jZV9jb25maXJtYXRpb25fZ3Vlc3Q%3D&euid=b5ac9466-7f2c-44c8-5873-5283fb64469a&source_impression_id=p3_1745420189_P3UORLXRzff69WOt | Unzählige Möglichkeiten in Marseille |
| Tag 10: Marseille – Paris | Grand hotel de Paris https://www.booking.com/hotel/fr/grand-hotel-de-paris.de.html | Unzählige Möglichkeiten in Paris |
| Tag 11: Paris – Leipzig | – |
Übernachtungsmöglichkeiten
Wir haben für die Wanderung Hotels und Airbnb-Hosts in Anspruch genommen (siehe Tabelle). Da die Etappen in Dörfern oder Städten enden, stehen meist mehrere Optionen zur Auswahl. Nur in La Cadière-d´Azur und Les Baumettes waren die Möglichkeiten (bezahlbar) zu übernachten begrenzt. Es lohnt sich die Unterkünfte rechtzeitig zu buchen, vor allem in Richtung Hauptsaison.
Zelten entlang der Route ist durch eine ganz gute Abdeckung mit Campingplätzen wahrscheinlich möglich, erfordert jedoch eine Anpassung der Route und ist auch nicht immer günstiger, da die Campingplätze teils sehr touristisch sind. Wildes Campen ist aufgrund der weiten Strecken in Naturschutzgebieten nicht möglich und auch aufgrund von Waldbrandgefahr ist anzunehmen, dass Behörden wildes Zelten nicht dulden. Wir haben Camping nicht ausprobiert und auch nicht weiter recherchiert.
In Paris und Marseille finden sich schier endlose Möglichkeiten in allen Preisklassen zu übernachten. Eine Suche über Booking oder Airbnb zeigt alle verfügbaren Optionen auf.
Essen & Einkaufen unterwegs
In Paris und Marseille ist es zu keiner Zeit ein Problem, Essen zu finden – die Auswahl an Restaurants und Supermärkten ist riesig.
Während der Wanderung finden sich am Beginn bzw. Ende fast jeder Etappe mindestens eine Einkaufsmöglichkeit und ein Restaurant. Unterwegs gibt es nur auf wenigen Etappen eine (bezahlbare) Einkehrmöglichkeit, in die man sich auch in Wandersachen trauen würde. Insgesamt sind in der Region überdurchschnittlich viele hochpreisige und schicke Restaurants zu finden.
Wir haben uns fürs Frühstück und den Tag häufig mit Essen aus dem Supermarkt eingedeckt und Abends in einem Restaurant diniert. Dank der guten Abdeckung an Supermärkten mussten wir kaum Essen mit uns herum tragen. Allerdings sind die an der Strecke liegenden Supermärkte meist kleine City-Supermärkte mit reduziertem Sortiment, die größeren Pendants befinden sich am Stadtrand und sind meist auf den Einkauf mit dem Auto ausgerichtet.
Aber informiert euch vor Reisebeginn gut: Da die Gegend sehr touristisch geprägt ist, sind manche Lokale in der Nebensaison ggf. nicht oder nur eingeschränkt geöffnet. Am Montag haben Restaurants Ruhetag und es wird schwer an ein Abendessen zu kommen. Supermärkte hingegen sind meist jeden Tag, auch an Sonntagen, geöffnet.
Erfahrungsbericht
Wanderetappen
| Etappen | Distanz | Höhenmeter | Dauer | Schwierigkeit |
| Etappe 1: Wanderung Bandol – Cadière d´Azur | 19,4 km | +420m | -270m | 5:50 Std. | Mittelschwer |
| Etappe 2: Wanderung Cadière d´Azur – La Ciotat | 23,7 km | +595m | -640m | 6:30 Std. | Mittelschwer |
| Etappe 3: Wanderung La Ciotat – Cassis | 10,9 km | +610m| -615m | 4:10 Std. | Mittel |
| Etappe 4: Wanderung Cassis – Marseille Stadtrand | 15,7 km | +870m | -780m | 6:10 Std. | Mittelschwer |
| Etappe 5: Marseille Stadtrand – Marseille Calanques – Marseille centre | 12,3 km | +500m | -580m | 4:50 Std. | Mittelschwer |
Tag 1 – Anreise Leipzig-Paris
Der Rucksack ist gepackt und es geht los! Die Sonne scheint und ich schwitze in meinen Wanderschuhen, während der ICE mich quer durch Deutschland fährt. Ich liebe Bahnfahren, denn unterwegs kann ich wunderbar meine Gedanken schweifen lassen, lesen und die Landschaft betrachten, die am Zugfenster vorbeirast. Manchmal überhöre ich auch das ein oder andere spannende Gespräch. Ich lehne mich zurück und genieße, dass jetzt der Urlaub beginnt. Bis zur deutschen Grenze fährt der Zug schnell, aber nicht rasant – sobald wir in Frankreich sind, legt er jedoch den Turbogang ein. Ich wusste gar nicht, dass die deutschen ICEs auch 300 km/h schaffen! Es ist schon früher Abend als ich ankomme und meine Freundin Martje treffe, die beruflich in Paris war und nun mit mir reisen wird. Wir bringen unsere Sachen ins Hotel direkt am Bahnhof Paris Est und schlendern durch die belebten Straßen – Martje zeigt mir die Umgebung ihres Büros und schleppt mich auf eine Party mit Kollegen. Die Stimmung ist ausgelassen, alle reden deutsch, englisch, französisch und sind schick gekleidet – im Gegensatz zu mir mit meinen klobigen Schuhen! Irgendwann gehen wir und fallen erschöpft im warmen und lauten Hotelzimmer in einen unruhigen Schlaf.
Tag 2 – Von Paris nach Bandol
Da unser Zug Richtung Marseille vom Gare de Lyon aus abfahren wird, beschließen wir bei dem sonnigen Wetter vom Hotel am Gare de l´Est bis dorthin zu laufen und uns schon einmal aufs Wandern einzustimmen. Wir folgen dem Canal Saint-Martin und finden auf einem kleinen Platz ein süßes Café, das wir für unser Frühstück auserkoren. Es ist noch früh, wir sind fast die ersten Gäste und wir schlürfen in der Sonne gemütlich einen Cappuccino. Dann folgen wir dem Wasser, das irgendwann in den Untergrund verschwindet und einem langen Park Platz macht, in dem wir Familien mit Kindern, Sportler und auch Obdachlose beobachten – bei dem wenigen Grün in Paris sind alle nah beieinander. Am Place des Vosges machen wir einen Schlenker in die Häuserblocks, die Architektur ist regelmäßig und klassisch aber die traurigen Platanen beeindrucken mich nicht. Lieber schaue ich mir ein bisschen weiter südlich den Hafen an, der satt mit Blumenkästen dekoriert ist und in dem die Yachten sanft im Wasser schaukeln. Am Bahnhof angekommen durchlaufen wir den Check-In, dessen Existenz ich schon wieder vollkommen vergessen hatte seit dem letzten Frankreichbesuch. Und es geht los nach Süden! Mit einer Mordsgeschwindigkeit brettert der TGV durchs Hinterland, vorbei an unendlichen Wiesen, auf denen weiße Mastrinder grasen. Langsam verändert sich die Landschaft und weicht kargeren Landstrichen, rötlichen Böden, knorrigen Bäumen und dazwischen Resten von Pfützen, bis wir Marseille erreichen – kaum zu glauben das wir immer noch im gleichen Land sind! Das Mittelmeerflair kickt und ich schwitze mal wieder in den Klamotten aus dem Norden weil es warm und ein bisschen feucht ist, aber die Aufregung steigt. Schnell wechseln wir den Zug und tuckern mit der Regionalbahn bis Bandol, wo wir noch einmal einen kurzen Marsch zu unserer Unterkunft zurücklegen müssen – zum Glück bergab. Der Ort wirkt leer im Oktober und ein leichter Nieselregen begleitet uns. Wir wohnen bei Darell im Gästezimmer. Unser Airbnb Host ist sehr gesprächig und wir reden noch lange über den Sinn des Lebens und meine Zukunft zwischen Schreibtisch und Alp.
Tag 3 – Etappe 1: Auf dem Sentier Littoral von Bandol nach La Cadière-d´Azur
| Etappe | Distanz | Höhenmeter | Dauer | Schwierigkeit |
| Etappe 1: Wanderung Bandol – Cadière d´Azur | 19,4 km | +420m | -270m | 5:50 Std. | Mittelschwer |
Der Himmel ist bedeckt als wir unseren ersten Wandertag starten. Noch sind wir ein bisschen unbeholfen, die Rucksäcke nicht ganz ideal gepackt und schon nach kurzer Strecke ein wenig erschöpft. Der Weg startet vorbei an der Strandpromenade und den Häusern der Reichen und Schönen und an Tennisplätzen mit Meerblick bevor er endlich ins Unterholz verschwindet. Wir folgen zu Beginn dem Sentier Littoral, einem von vielen Küstenwegen Frankreichs, der in rund 10 Kilometern von Bandol nach Saint-Cyr-sur-Mer führt und mittels eines gelben Strichs markiert ist. Es geht über festgetrampelte rote Erde eng am Wasser entlang, die Wurzeln der Kiefern liegen wie dicke Schlangen auf dem Weg. Obwohl überall ringsherum Ortschaften sind, fühlt sich die Strecke durch das Waldgestrüpp abenteuerlich an. Wir bestaunen die windschiefen Bäume, die riesigen Agaven, kleine Buchten und die Farbe des Meers. Wegen des trüben Wetters ist es dunkel und fast grau – wenig ist zu sehen vom strahlenden Türkis, das auf allen Fotos abgebildet ist. Die erste kleine Pause auf einer Asphaltfläche in Le Port d´Alon bietet endlich einen Weitblick die Küstenlinie entlang – zuvor waren wir im Waldtunnel – und verrät uns, wo wir morgen landen werden. Der Weg wird felsig und ändert die Farbe von rot zu gelblich. Eine einsame Baderin watet in einer Bucht ins Wasser.
Wir sind schon halbwegs kaputt als wir schließlich an den Ausläufern von Saint-Cyr-sur-Mer in La Madrague ankommen und belohnen uns erst mal mit einem Zitronen-Crêpes – wir sind ja zum Glück in Frankreich. Da wir in der Nebensaison reisen, sind nur wenige Restaurants geöffnet. Leider liegt noch eine lange Strecke und ein nicht zu verachtender Anstieg vor uns, denn nun biegen wir ins Hinterland ab und steigen noch einmal kontinuierlich 150 Meter auf. Wir beschließen eine kleine Modifikation der Route vorzunehmen, kürzen ein wenig ab und laufen statt am Wald entlang kleiner Felder und einzelner Güter – etwas, dass ich nur bei bedecktem Himmel empfehlen würde. Der Weg zieht sich, weil wir so endlos müde sind. Aber schließlich werden wir belohnt: kurz vor La Cadière öffnet sich der Blick ins Land, die Sonne kommt doch noch zum Vorschein und wirft sanfte Schatten auf die grüne hügelige Landschaft, die jetzt viel weniger karg erscheint als direkt am Meer. Ich kann mich nur schwer losreißen, aber Martje drängt vorwärts. Dann endlich sehen wir die kleine Stadt vor uns auf einem Hügel thronen, der Kirchturm in der Mitte. Wir beziehen unsere Unterkunft bei einem freundlichen Paar und schlendern im rosa Abendlicht auf der Suche nach Essen noch einmal durch den Ort. Da Montag ist und die Restaurants geschlossen haben bleibt uns nichts anders übrig als eine Pizza zur einzigen geöffneten Kneipe zu bestellen – zum Glück ist der Wirt freundlich zu uns.
Tag 4 – Etappe 2: Ab durchs Hinterland von La Cadière d´Azur nach La Ciotat
| Etappe | Distanz | Höhenmeter | Dauer | Schwierigkeit |
| Etappe 2: Wanderung Cadière d´Azur – La Ciotat | 23,7 km | +595m | -640m | 6:30 Std. | Mittelschwer |
Am Abend zuvor haben wir sie schon entdeckt: die Wegweiser des GR51, auf dem wir von nun an wandern werden. Trotz Beschilderung verlaufen wir uns erst einmal zwischen den kleinen Farmen und Weingütern und stehen plötzlich bei einer Frau auf dem Hof. Als wir besiedeltes Gebiet verlassen und auf der in unseren GPS-Daten eingezeichneten Umleitung zur GR51 laufen, gelangen wir in einen kargen, mit Gestrüpp bewachsenen Hügel, der von zahlreichen Straßen durchzogen ist, die alle für Autos geschaffen worden zu sein. Wir fühlen uns ein bisschen fehl am Platz, auf diesen „Forststraßen“ und verlaufen uns auch promt erneut, wie wir feststellen als wir vor einem „Privatgrundstück – Betreten verboten“ Schild zum Stehen kommen. Der Abschnitt ist so unspannend, das ich keinerlei Fotos schieße. Aber es wird besser! Weiter ansteigend laufen wir auf einem felsigen Pfad zwischen den Büschen und erblicken in der Ferne blauglitzernd das Meer. Der Rundblick in beide Richtungen – Land und Meer – gibt einem ein Gefühl für die Dynamiken der Region: Felder, Hügel, Städte, und ganz vorne nur die felsige Küste, etwas, dass ich der Etappe trotz wenig spektakulären Erlebnissen sehr zu Gute halte. Weiter am Weg entdecken wir einen Baum mit runden roten, leicht stachligen Früchten und finden dank Flora inkognita heraus, dass es sich um einen Erdbeerbaum handelt! Neugierig probieren wir die Früchte, die ganz gut schmecken, aber da wir unsicher sind, essen wir lieber nicht zu viele. Bei uns ist es heiß aber durchs Hinterland zieht eine Regenwand, das Wasser fällt in Schleiern gen Boden. Wir machen Pause und plötzlich hören wir Stimmen mit einem uns sehr bekannt vorkommenden Dialekt – siehe da, hinter einer Hecke pausieren vier Männer aus Dresden und Bitterfeld. Ihre Rücksäcke sind riesig und wie sich herausstellt befindet sich das ein oder andere Bier darin. Naja, wers mag. Nach einigen Stunden durch die karge Buschlandschaft biegen wir schließlich vom GR51 nach Süden ab und machen uns auf Richtung La Ciotat, wo wir übernachten und uns die Bäuche vollschlagen werden. Bis zum Stadtrand führt uns der Weg noch entlang eines tief eingeschnittenen Tals, was uns ziemlich überrascht. Schließlich finden wir im Gewerbegebiet die Bushaltestelle und den richtigen Bus. Es fühlt sich irgendwie wie schummeln an, aber meine Füße sind erleichtert. In La Ciotat schlendern wir noch durch die Altstadt und entlang der schaukelnden Segelboote im Hafen aber weit kommen wir nicht mehr.
Tag 5 – Etappe 3: Zwischen Himmel und Meer von La Ciotat nach Cassis
| Etappe | Distanz | Höhenmeter | Dauer | Schwierigkeit |
| Etappe 3: Wanderung La Ciotat – Cassis | 10,9 km | +610m| -615m | 4:10 Std. | Mittel |
Müsste ich mich für einen Favoriten entscheiden, so ist diese Etappe definitiv ganz vorn mit dabei, denn nun geht es immer nah am Meer und an den Klippen entlang. Leider ist gerade der letzte und beeindruckendste Teil der Route absolut kein Geheimtipp, da ein gut gelegener Parkplatz viele Ausflügler auf die Wege spühlt. Aber dazu später. Der Tag beginnt mit dem Aufstieg aus La Ciotat bis auf Klippenhöhe. Der Blick die Straße zurück mit all den Blumenranken, die aus den Gärten quellen hat etwas sehr poetisches. Martje ist schon das erste Mal bedient als wir endlich die 400 Höhenmeter erklommen haben. Wir passieren eine kleine Ruine und bestaunen die Form des Felsens, der wie eine Pfote gebogen am Rand der Stadt aufragt. Bei näherem Hinsehen sind viele kleine Blüten im Gebüsch auszumachen und ich freue mich über die Farbtupfer zwischen dem schottrigen Untergrund. Wir erreichen einen mit dem Auto erreichbaren Aussichtspunkt, aber die Menschen stören uns wenig, denn nun wo wir aus der geschützten Bucht einmal „herumgewandert“ sind, können wir die gesamte Küste entlang bis fast nach Marseille schauen. Die Sicht ist atemberaubend und am Horizont verschwimmt die Grenze zwischen Meer und Himmel – es ist unmöglich zu sagen wo das eine aufhört und das andere beginnt. Der Weg ist nun relativ ausgesetzt und führt auch schon mal direkt an der Felskante entlang – nichts für schwache Nerven. Es geht auf und wieder ab und wieder auf – ein bisschen Geklettere zwischen den Felsen. Und jedes Mal denkt man, der Blick könnte nicht mehr schöner werden. Der Fels ist wieder so rot wie am Anfang der Wanderung, wird mit jedem Schritt röter. Schließlich sind wir auf dem Cap Canaille, Frankreichs höchster Klippe und sehen um die Ecke nach Cassis. Und plötzlich fällt mir wieder ein, dass ich hier schon mal gewesen bin, vor über zehn Jahren während meines Frankreichsemesters. Damals mussten wir meine kleine Schwester, noch ein Kind, festhalten, damit sie sich nicht von der Klippe stürzt. Angst kannte sie nicht, dabei weist ein großes Schild mit vielen Ausrufezeichen auf die Lebensgefahr hin. Wir sind müde und nach einem Abstieg entlang einiger Weinterrassen und vorbei an schicken abgeriegelten Villen landen wir in der hübschen Altstadt von Cassis – zum Glück entspannt in der Nebensaison. Da wir einen Tag dort bleiben werden, erkundigen wir uns noch was es zu tun gibt und beschließen, uns auf eine Bootstour zu begeben.
Tag 6 – Entspannung und Bootsfahrt: Pause in Cassis
Nach drei Tagen wandern fällt es uns erstaunlich schwer, einfach nichts zu tun, meine Beine wollen weiter. Aber die Stadt ist so schön, und es ist auch schön so träge zu sein. Am Vormittag nehmen wir an einer Bootstour in die Calanques von Marseille teil und schauen uns schon einmal an, was wir am Folgetag erwandern werden. Vom Wasser aus ist es eine ganz neue Perspektive, man erkennt so viele Höhlen in den Felsen, die wie Türme vor uns aufragen, weiß gen Himmel. Das Schaukeln des Boots macht schläfrig und nach einer Stunde sind wir zurück im Hafen – gerade noch rechtzeitig um den Markt zu bestaunen, die dicken stark riechenden Käseleiber und die bunten Klamotten. Leider oder zum Glück kann ich nichts tragen mit meinem Wanderrucksack und spare mir einige Euros. Am Nachmittag holen wir uns ein Eis, liegen am Strand und baden unsere Füße im Meer, schauen auf die Festung, die ein teures Hotel beherbergt und sind wirklich froh, außerhalb der Saison da zu sein.
Tag 7 – Etappe 4: Durch die Calanques von Cassis nach Marseille-Les Baumettes
| Etappe | Distanz | Höhenmeter | Dauer | Schwierigkeit |
| Etappe 4: Wanderung Cassis – Marseille Stadtrand | 15,7 km | +870m | -780m | 6:10 Std. | Schwer |
Nach dem Tag Pause fühle ich mich quickfidel und fliege geradezu über die Piste – der Tag mit den meisten Höhenmeter ist genau mein Element. Auch diese Etappe ist wunderbar, startet sie doch direkt mit einem Spaziergang entlang der wohl schönsten Buchten überhaupt und führt ansonsten durch den Parc national des Calanques. Ich kann mir nicht helfen und springe in das türkisschimmernde seichte Wasser noch bevor die Tagestouristen aufkreuzen und es ist einfach nur herrlich. Meine Fotos sind postkartenreif, die Schönheit ist geradezu surreal. Wir setzen unseren Weg durch heute ganz weiße Kalksteinformationen fort – in der Ferne leuchtet noch das rote Massiv des Cap Canaille. Ich muss gestehen ich liebe diese Veränderung von Gestein, Bewuchs oder auch Bebauung im Laufe einer Tour. Es macht einem so überdeutlich, wie unterschiedlich unsere Welt beschaffen ist, wie sich graduell Veränderungen entwickeln, seien es Ökosysteme oder auch Kulturen. In unseren Köpfen existieren manchmal solche Boxen und es tut gut zu sehen, dass die Dinge niemals so oder so sind sondern alles Nuancen, die sich räumlich oder zeitlich ändern, wenn man einen Schritt vor den anderen setzt. Wandern macht die Welt voller, als würde man von 2D plötzlich auf 3D wechseln.
Der Blick von der Bootstour hat nicht zu viel versprochen, riesige weiße Felsen ragen um uns herum auf, es geht viel auf und ab und ab und zu habe ich fast das Gefühl in den Bergen zu sein, was mich unglaublich begeistert. Im Meer leuchten kleine Inseln, eine Felszunge rag weit hinaus, die Felsspitzen haben klingende Name wie La grande candelle – die große Kerze. Die Jungs aus Sachsen begegnen uns wieder und schnaufen und keuchen mit ihrem Bier im Gepäck. Ich hänge sie leicht ab, was sie irgendwie ärgert. Aber mit den sinnlosen Kilos ist das auch kein Wunder. Auf einem Felsplateau treffen wir sie wieder und essen zusammen, liegen auf dem warmen Stein, der Wind weht und pfeift über uns hinweg, es ist ein eigentümlich schöner Moment.
Die letzten Kilometer sind wir wieder auf breiten Schotterwegen unterwegs und mäandern entlang von Felswänden und durch Wald bevor wir schließlich in den Ausläufern von Marseille ankommen, die abgelegen und dörflich wirken – wäre da nicht die Buslinie und – völlig deplatziert – ein riesiges Gefängnis! In unserer Unterkunft sind mehrere Zimmer vermietet und wir treffen Jaqueline, die wir schon beim Wandern vor uns bemerkt hatten. Zusammen gehen wir im einzigen Restaurant Pizza essen und erzählen uns unsere Lebensgeschichten.
Tag 8 – Etappe 5: Noch einmal um die Ecke durchs Nirgendwo – von Marseille Les Baumettes nach Marseille centre
| Etappe | Distanz | Höhenmeter | Dauer | Schwierigkeit |
| Etappe 5: Marseille Stadtrand – Marseille Calanques – Marseille centre | 12,3 km | +500m | -580m | 4:50 Std. | Mittelschwer |
Jaqueline und wir wandern heute zusammen, denn wir haben das gleiche Ziel und ein ähnliches Tempo und außerdem ist sie sehr nett. Auch wenn die Stadt eigentlich zum Greifen nah ist, sind wir bald die einzigen auf der Strecke und fühlen uns wie in der Wildnis, denn die Gebäude verschwinden hinter den Felsen und das einzige was bleibt, ist der Blick aufs Meer. Die vorgelagerten Inseln wecken meine Neugier, am liebsten würde ich rüber schwimmen. Aber wir sind einige Meter über dem Wasser und obwohl ich mir vorgenommen habe, nochmal schwimmen zu gehen, schaffe ich es an diesem Tag nicht. Was auch ein bisschen dem geschuldet ist, dass ich die erste Bucht auslasse, in der sich gerade einige Teenager niederlassen, weil ich überzeugt bin, da kommt noch mehr. Und die zweite Möglichkeit ebenfalls. Und die dritte. Nun gut.
Die Kalkfelsen bilden Terrassen oder wälzen sich als Zungen ins Meer, darauf verteilt wie kleine Wattebausche wachsen grüne Büsche und niedrige Kiefern. Nach einer Weile, wir glauben es selbst kaum, gelangen wir pünktlich zum Mittagessen an einem kleinen Café-Restaurant mit einem hübschen Draußensitz an. Dort versammelt sind schon einige Tagesausflügler, dem Alter nach zu urteilen sind sie Rentner. Der Ort wirkt trotz allem irgendwie verlassen und macht uns ein wenig melancholisch – welch Potenzial hier schlummert! Aber vielleicht ist es auch gut, dass es solche kleinen Stellen am Ende der Welt gibt, die ein wenig vor sich hin gammeln und trotzdem einer müden Wandrerin Unterschlupf und bei Bedarf ein Glas Wein (es ist Frankreich) bieten.
Die nächsten Meter laufen wir fast auf Meeresniveau, aber die Küste wirkt rau und ein Einstieg ungemütlich. Wir passieren eine kleine eingeschnittene Bucht, links und rechts die Steine, dazwischen hohe schaukelnde Wellen. Zu gefährlich für ein Bad aber faszinierend wunderschön. Ich kann mich kaum an diesen trägen aber gewaltigen Bewegungen satt sehen. Dann, in der Ferne, türmt auf einer Erhöhung etwas, das an einen Leuchtturm erinnert. In meinem Drang, Berge zu besteigen, muss ich natürlich rauf und stelle fest, dass wir direkt auf die Stelle blicken, an der Antoine Saint-Exupéry mit seinem Flugzeug abgestürzt ist. Nach dem nächsten Ort, dessen Bucht ein dreckiger Hafen ist und damit wieder keine Badegelegenheit, steigen wir ins Hinterland und in die Felsen. Ein kalter Wind fegt über uns hinweg, wir frieren. Trotzdem erinnert mich die Szenerie irgendwie an den Wilden Westen: so, nur ein bisschen rötlicher habe ich mir den immer vorgestellt. Ein paar Kletterstellen folgen, die doch im Vergleich zum Rest der gesamten Tour recht kniffelig sind. Ich bin begeistert, meine Wanderbegleiterinnen haben zu kämpfen, aber gemeinsam schaffen wir es gut. Sobald wir oben sind, kommt Marseille wieder in den Blick und viel zu schnell erreichen wir den Stadtrand, wo uns ein Bus Richtung Innenstadt erwartet. Schon drei Stunden später befinden wir uns in einer anderen Welt, zwischen vielbefahrenen Straßen, Yachten und Segelbooten bis zum Horizont, teuren Fischrestaurants und werden beim Geldabheben vor klauenden Kindern gewarnt. Wir genießen trotzdem den Abend mit einem guten Essen und finden die Stadt sehr sehr schön.
Tag 9 – Ein Tag in Marseille
Der Abend hat schon viel versprochen und so freuen wir uns heute durch Marseille zu schlendern und dabei noch ein paar langsame Kilometer zu machen. Wir starten in der Altstadt und sehen uns die engen Straßen rund um die Alte Charité an, in denen jedes Haus hölzerne Fensterläden hat, laufen zur Cathédrale La Major und essen ein Stück Kuchen in einem hübschen Büchercafé, nachdem wir zuvor ganz touristisch ein bisschen Seife für die Verwandtschaft eingekauft haben. Danach steigen wir wieder auf einen Berg, um uns die Basilique Notre Dame de la Garde und die Stadt von oben anzuschauen. In der Ferne steigen die gestern passierten Felsen in die Höhe und verschwimmen ein wenig im Dunst. Die Kathedrale erinnert mich an die Moschee in Cordoba, durch ihre gestreiften Fassadenelement und die runden Bögen. Von oben sieht man ein Fußballfeld, eingeklemmt zwischen einem Stein, der mitten in der Stadt liegt und einer hohen Mietskaserne. So fühle ich fast, wie sich das Leben in einer Großstadt im Mittelmeer anfühlt. Da ich noch einmal baden gehen möchte, gehen wir an den gut gefüllten Stadtstrand Plage des Catalan und aus einer seltsamen Laune heraus bestelle ich in der Strandbar einen Pastis, wenn man schon mal hier ist. An der Strandpromenade beobachten wir wie die Sonne rot ins Meer stürzt. Noch ein letztes Abendmahl, bevor es wieder gen Norden geht.
Tag 10 – Paris encore une fois
Wir fahren mit dem TGV zurück nach Norden, diesmal schaue ich nicht aus dem Fenster sondern lese. In Paris beziehen wir wieder ein Hotel am Gare de l´Est, einfach weil es für unsere Rückreise praktischer ist. Um die Zeit noch zu nutzen, schlendern wir wieder durch Paris, trinken einen Cappuccino, besuchen das Panthéon und den Jarden du Luxembourg und suchen uns noch ein Abendessen ein paar Straßen entfernt vom Centre Pompidou, wobei wir uns leider etwas in die Haare bekommen, da wir beide leider hangry sind.
Tag 11 – Ab nach Hause
Meine Beine wollen laufen und so marschiere ich fast schon eine Stunde durch das Viertel um den Gare de l´Est, geprägt von Afro-Kultur, die sich nahtlos in die mit Stuck geschmückten Fassaden einfügt. Es fiel schwer Abschied vom Süden zu nehmen, aber jetzt ist mein Blick nach vorn gerichtet, ich möchte nach Hause. Es ist grau und nieselig. Paris ist wie Leipzig nur stressiger und so sehne ich mich nach einer ruhigen Bahnfahrt und meiner kleinen Großstadt. Auf bald, Frankreich, ich werde wiederkommen!
Nützliche Links
- Die vorgestellte Wanderung wurde von Frank und Christiane von Wanderndeluxe beschrieben – wir sind im Wesentlichen ihrer Route gefolgt, haben aber die ein oder andere kleine Anpassung vorgenommen. Hier findet ihr auch eine umfassende Beschreibung ihrer Erfahrungen. https://www.kuestenwanderweg-marseille.de/
- Für die erste Etappe stehen Informationen vom lokalen Tourismusbüro zur Verfügung: https://www.bandoltourisme.fr/de/mon-sejour/explorer/promenades-et-randonnees/le-sentier-du-littoral/
- Um sich über die aktuelle Lage bzgl. Waldbränden zu informieren gibt es die Seite des Präfekt Bouche du Rhone: http://bpatp.paca-ate.fr/
- Für die Buchung von Unterkünften haben wir Booking.com und Airbnb.com genutzt
- Für die Buchung der Zugreisen sind die Webseiten von Deutsche Bahn und SNCF für Frankreich zu empfehlen