No quick wins, no shortcuts — it´s a process and you should enjoy it!

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Wenn du hier über unsere Touren, Wanderungen und Abenteuer liest, könntest du vielleicht zu dem Schluss kommen, dass wir super sportliche, mutig und naturbegeisterte Menschen sind, denen das alles in die Wiege gelegt wurde – und du selbst eben einfach nicht. Das wäre sehr schade, denn es ist einfach nicht wahr.

Auch wir haben irgendwo angefangen, ganz klein und ohne Ahnung, und Schritt für Schritt sind wir dahin gekommen, wo wir nun stehen. Damit ist aber nicht alles beendet und fertig. Wir entwickeln uns mit jeder neuen Tour weiter und lernen immer neue Dinge über uns und unsere Umwelt. Und es wird immer irgendeinen Bereich geben, von dem wir so gar keine Ahnung haben.

Da viele Menschen das einfach nur so daher sagen – trust the process, fang einfach an, etc. pp. – und wir gut verstehen können, dass es schwer fällt, das zu glauben, möchten wir dir unsere ganz persönlichen Wege vorstellen, damit du ein Bild bekommst, wie man langsam langsam immer weiter läuft.

Ich, Marie, bin zum ersten Mal mit 26 in die Berge gefahren. Weder als Kind noch in meinen frühen Zwanzigern war ich besonders an der Natur oder am Wandern interessiert. Mit meiner Familie haben wir eher Badeurlaube gemacht, vielleicht gepaart mit einem kleinen Stadtausflug, aber meine Eltern mochten keine Menschenmengen, also war auch das eigentlich selten. Ein klassischer Urlaub sah so aus, dass wir ein Ferienhaus möglichst weit weg von allen buchten und dann mit dem Auto Tagestouren unternahmen.

Später, als Studentin, fand ich Backpacken super. Ich kaufte einen großen Rucksack und wir fingen an die europäischen Großstädte zu erkunden. Barcelona, Athen, Madrid, Paris. Ich lebte ein Semester lang in Avignon aber habe die Stadt damals quasi nicht verlassen. Dann ging es irgendwann nach Übersee, Kanada, USA, Mexiko, Panama. Als ich nach meinem ersten Job eine Auszeit einlegte und zwei Monate in Mittelamerika verbracht, unternahm ich kleine Wanderungen, geführt, auf einen Vulkan oder durch den Dschungel.

Erst 2016, ich weiß nicht mehr wie es eigentlich kam, fuhr ich mit einem ehemaligen Arbeitskollegen ins Allgäu, in die Berge. Und war sofort verliebt. Wir hatten eigentlich keinen Plan und keine Unterkünfte gebucht (keine Ahnung was ich mir damals gedacht habe) und beschlossen als erste Tour direkt auf einen Grad hoch zu Wandern und in einer bewirtschafteten Hütte zu übernachten. Meine Schuhe waren alte ausgemusterte Meindl, ein Geschenk von einem anderen Kollegen. Klamotten eine Mischung aus meinen Laufklamotten, ein paar Sachen von Decathlon und eine vernünftige Regenjacke. Ich war nicht trainiert und wahnsinnig k.o. Aber alles an diesen Bergen war magisch.

Nach dieser Reise fuhr ich mit meinem Freund in die Schweiz, an den Walensee zum Wandern. Dann mit Freunden nach La Palma, aber da fuhren wir mehr mit dem Auto als das wir liefen. 2019 kaufte ich meinen Camper und fuhr mit meiner Schwester nach Großbritannien, wo wir zwei drei anstrengende Tagestouren zurücklegten. Und in 2020 lernte ich das Schweizer Bergwaldprojekt kennen, das mit Freiwilligen im Forst arbeitet, und verbrachte zwei Wochen voller Weitblicke im Val Medel. Und erst dann, in 2021, startete meine Wanderkarriere so richtig.

Eine Freundin meinte: lass uns doch auf den Jakobsweg gehen (classic). Wir beschlossen, den Camino inglés, den kürzesten Camino zu bewandern, da wir nicht so viel mehr Urlaub nehmen konnten. Zur Vorbereitung lief ich im Juni 2021, am heißesten sonnigsten Wochenende, von Wittenberg nach Leipzig, meine Füße waren blutig und am Sonnenstich, Hitzeschlag und Co. bin ich sicher nur um Zentimeter vorbeigeschrammt. Aber es gefiel mir. Es gefiel mir richtig! Im September dann Spanien – mitten in der Corona-Zeit, mit Maske durch alle Städte, böse Blicke wenn sie verrutschte, Flöhe in der Unterkunft, aber ich fand es toll. Zugegeben, so richtig, richtig angefixt war ich noch nicht, manchmal fand ichs unterwegs schon ein bisschen langweilig, so immer ein Fuß vor den anderen zu setzen. Aber mit jeder Wanderung kam ich mehr in meinen Flow und merkte, wie gut es mir mental tat, einfach immer weiterzugehen und nicht so viel über alles andere nachzudenken. Seit 2021 wandere ich nun ziemlich regelmäßig und habe noch viel vor! Aber auch Tagestouren oder mit meinem Camper die Welt erkunden macht mir super viel Spaß! Neben der körperlichen Betätigung interessiert mich auch sehr der historisch-kulturelle Aspekt von Wegen und Landschaften – das kommt wahrscheinlich von der Arbeit im Forst, der ich im Bergwaldprojekt treu geblieben bin, und meiner Ausbildung zur Natur- und Landschaftsführerin. Zu Großteilen aber auch von meinen zwei Sommern auf der Alp, in denen ich gelernt habe, wie Menschen die Berge nicht nur besteigen sondern vor allem, wie sie seit Jahrhunderten ihre Lebensgrundlage aus ihnen ziehen.

Wie du siehst habe ich in den letzten 10 Jahren langsam immer mehr ausprobiert, erlebt, eins führte zum anderen… und genauso ist es gut, genauso konnte ich ergründen, was ich mag und was mich fesselt und wofür mein Herz schlägt. Deine Geschichte mag eine andere sein. Aber das wichtigste ist, dass du immer nur einen Fuß vor den anderen setzen musst. Gar nicht viel mehr. Und zum Anfangen ist es nie zu spät, warum nicht gleich morgen?

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